Menschen

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Es ist wirklich unglaublich, wie nichtssagend und bedeutungsleer von außen gesehen und wie dumpf und besinnungslos von innen empfunden das Leben der allermeisten Menschen dahinfließt. Es ist ein mattes Sehnen und Quälen, ein träumerisches Taumeln durch die vier Lebensalter hindurch zum Tode, unter Begleitung einer Reihe trivialer Gedanken.

[Quelle: Arthur Schopenhauer]

Osterspaziergang

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Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
durch des Frühlings holden, belebenden Blick.
Im Tale grünet Hoffnungsglück.
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
zog sich in rauhe Berge zurück.

Von dorther sendet er, fliehend, nur
ohnmächtige Schauer körnigen Eises
in Streifen über die grünende Flor.
Aber die Sonne duldet kein Weißes.

Überall regt sich Bildung und Streben,
alles will sie mit Farben beleben.

Doch an Blumen fehlt’s im Revier,
sie nimmt geputzte Menschen dafür.

Kehre dich um, von diesen Höhen
nach der Stadt zurückzusehen.

Aus dem hohlen finstern Tor
dringt ein buntes Gewimmel hervor.

Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn.

Denn sie sind selber auferstanden
aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
aus dem Druck von Giebeln und Dächern,

aus der Straßen quetschender Enge,
aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
sind sie alle ans Licht gebracht.
Sieh nur, sieh! Wie behend sich die Menge
durch die Gärten und Felder zerschlägt,
wie der Fluß, in Breit’ und Länge,
so manchen lustigen Nachen bewegt

und bis zum Sinken überladen
entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an.

Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
hier ist des Volkes wahrer Himmel,

zufrieden jauchzet groß und klein.
Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein.

[Quelle: Johann Wolfgang von Goethe]